Truppenübungsplatz Senne

Gründung und Ausbau bis 1939

Die Entwicklung des Truppenübungsplatzes Senne verlief schrittweise: Auf frühe militärische Überlegungen folgten Grundstückserwerbe, die Ausweisung des Geländes und schließlich die Eröffnung. Mit Lagern und einem Munitionsdepot kamen feste Anlagen hinzu. Die Flächengröße wird in den Quellen unterschiedlich angegeben und hängt von der jeweiligen Darstellung ab. Die folgenden Jahres- und Flächenangaben stützen sich auf die Chronik Augustdorf und Senne. Ein Bezugsjahr der Darstellung ist dort nicht ausgewiesen.

Vorläufer 1817 bis 1888

1817 stellte das General-Commando in Münster einen Antrag, der zu den frühen Schritten auf dem Weg zu einem militärischen Übungsgelände in der Senne zählt. Zwischen diesem Antrag und der späteren Einrichtung des Platzes lagen mehrere Jahrzehnte. Die Chronik Augustdorf und Senne nennt für 1881 den Erwerb von rund 15 Hektar. 1888 folgte eine Erweiterung auf rund 400 Hektar.

Die Zahlen markieren eine deutliche Zunahme der erworbenen Fläche, belegen aber noch nicht die spätere Gesamtgröße des Truppenübungsplatzes. Antrag, Grundstückserwerb und Erweiterung sind zeitlich getrennte Stationen. Die Angaben zu den Jahren 1817, 1881 und 1888 stammen aus der Chronik Augustdorf und Senne; ein Bezugsjahr der Darstellung ist nicht ausgewiesen.

Eröffnung 1892

Die Ausweisung des Übungsgeländes erfolgte 1891/1892; eröffnet wurde der Platz 1892. Mit der Einrichtung des Militärgeländes waren auch Veränderungen für die dort lebenden Menschen verbunden: 49 Haus- und Hofbesitzer mussten weichen. Die Chronik Augustdorf und Senne führt diese Angaben zur Ausweisung, Eröffnung und Betroffenheit der Eigentümer auf.

Ausweisung und Eröffnung des Übungsgeländes
AngabeJahr oder ZeitraumWertQuelle
Ausweisung1891/1892Gelände als Übungsplatz ausgewiesenChronik Augustdorf und Senne
Eröffnung1892Inbetriebnahme des PlatzesChronik Augustdorf und Senne
Betroffene Haus- und HofbesitzerIm Zuge der Einrichtung49Chronik Augustdorf und Senne
FlächenangabeFür den frühen PlatzRund 35 km²Chronik Augustdorf und Senne
Abweichende FlächenangabeFür den frühen PlatzRund 50 km²Andere Quellen

Für die Fläche finden sich somit unterschiedliche Größenordnungen: Die Chronik nennt rund 35 km², während andere Quellen rund 50 km² angeben. Die Angaben lassen sich nicht ohne Weiteres gleichsetzen; ein Bezugsjahr der Darstellung in der Chronik ist nicht ausgewiesen.

Lager und Anlagen bis 1935

Bis 1935 ergänzten Lager und ein Munitionsdepot die Einrichtungen des Platzes. Die Chronik Augustdorf und Senne nennt das Neue Lager Augustdorf von 1901, das Lager Staumühle aus den Jahren 1914 bis 1916 sowie ein 1928 angelegtes Munitionsdepot. Für die beiden Lager sind in den hier angeführten Angaben keine Flächenwerte genannt.

Lager und Depot bis 1935
Jahr oder ZeitraumAnlageTypFlächenangabeQuelle
1901Neues Lager AugustdorfLagerKeine Flächenzahl angegebenChronik Augustdorf und Senne
1914–1916Lager StaumühleLagerKeine Flächenzahl angegebenChronik Augustdorf und Senne
1928MunitionsdepotDepotRund 70 haChronik Augustdorf und Senne

Für das Munitionsdepot ist eine Fläche von rund 70 Hektar überliefert. Die zeitliche Abfolge zeigt den Ausbau der Anlagen zwischen 1901 und 1928; ein Bezugsjahr der Chronik-Darstellung ist nicht ausgewiesen.

Erweiterung 1936 bis 1939

Bis 1936 umfasste der Übungsplatz rund 41 km². Im Jahr 1936 kam Stapel hinzu, darunter rund 1.270 Hektar Wald. Damit veränderte sich der Umfang des Geländes erneut; die Flächenangabe für den Waldteil bezeichnet nicht die Gesamtgröße des Platzes.

Ende 1939 wurde Haustenbeck geräumt. Die Angaben zu dieser Erweiterungsphase stammen aus der Chronik Augustdorf und Senne, deren Bezugsjahr nicht ausgewiesen ist. Für den Truppenübungsplatz insgesamt nennen Quellen unterschiedliche Flächengrößen, darunter rund 35 km² und rund 50 km². Diese Abweichung ist bei der Einordnung der bis 1936 genannten rund 41 km² zu berücksichtigen; die Darstellungen weisen keine einheitliche Flächenzahl aus.

Kriegsende und britische Nutzung

Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs begann für den Truppenübungsplatz Senne eine neue Phase militärischer Verwaltung und Nutzung. Die Zuständigkeit wechselte zunächst zwischen den alliierten Streitkräften; anschließend prägten britische Einheiten und ihre Infrastruktur das Gebiet. Kasernen und Wohnraum gehörten dabei ebenso zum Standort wie die militärischen Übungsflächen. Spätere Ankündigungen zum Abzug britischer Kräfte beschrieben verschiedene Planungsstände, die zeitlich auseinanderliegen.

Übernahme 1945

Am 3. April 1945 übernahm die US-Armee den Truppenübungsplatz Senne. Am 1. August 1945 ging die Verwaltung an die britischen Streitkräfte über. Die Chronik „Augustdorf und Senne“ führt diese beiden Daten als aufeinanderfolgende Stationen des Machtübergangs an. Damit lagen zwischen der amerikanischen Übernahme und der britischen Verwaltung knapp vier Monate.

Die beiden Stichtage bezeichnen unterschiedliche Zuständigkeiten und sollten nicht zu einem einzigen Übergabezeitpunkt zusammengezogen werden. Der 3. April steht für die Übernahme durch die US-Armee, der 1. August für den Wechsel zur britischen Verwaltung. Dieser Verwaltungswechsel bildete die Grundlage für die anschließende britische Nutzung des Gebiets, die sich auch in der Standortentwicklung rund um Augustdorf niederschlug.

Britische Streitkräfte

Für die britische Nutzung entstand 1951 die Athlone Barracks. Nach der Chronik „Augustdorf und Senne“ wurde die Kaserne für ein Panzerregiment gebaut. Die Anlage war damit auf die Unterbringung einer militärischen Einheit ausgerichtet und ergänzte die bereits vorhandenen Einrichtungen im Raum des Truppenübungsplatzes.

Die Chronik nennt außerdem rund 200 Wohnungen für Familien. Diese Zahl beschreibt den Wohnraum, der mit dem britischen Standort verbunden war; sie ist nicht mit der Stärke des Panzerregiments oder der Zahl der Soldaten gleichzusetzen. Die Wohnanlage machte sichtbar, dass die britische Präsenz über den Dienstbetrieb in der Kaserne hinausreichte: Auch Familien benötigten eine dauerhafte Unterkunft in Standortnähe.

Die Angaben zu Baujahr, militärischer Zweckbestimmung und Wohnungen stammen aus der Chronik „Augustdorf und Senne“. Sie erlauben eine Einordnung der Athlone Barracks als Teil der britischen Standortinfrastruktur, ohne daraus eine konkrete Truppenstärke oder eine genaue Belegungszahl abzuleiten. Die rund 200 Wohnungen sind eine chronikalische Angabe zur Anlage und nicht zwingend ein Nachweis, dass jede Wohnung zu jedem Zeitpunkt belegt war.

Abzugsplanung

2010 kündigte die britische Regierung an, ihre Streitkräfte bis 2020 aus Deutschland abzuziehen. Diese Mitteilung beschrieb eine geplante Entwicklung mit einem festgelegten Zielhorizont; sie belegt für sich genommen nicht, dass sämtliche Truppen und Einrichtungen zu diesem Zeitpunkt tatsächlich abgezogen waren. Für die britischen Standorte in der Senne bedeutete die Ankündigung daher zunächst eine Planungsgrundlage und keine Bestätigung eines bereits vollzogenen Abzugs.

Eine abweichende Darstellung erschien 2018 in der deutschen Wikipedia: Dort wurde berichtet, dass rund 200 Soldaten verbleiben sollten. Die Angabe bezieht sich auf einen vorgesehenen Restbestand und steht damit nicht zwingend im Widerspruch zum grundsätzlichen Abzugsziel bis 2020. Sie beschreibt vielmehr einen späteren Planungsstand, nach dem ein weitgehender Rückzug mit einer begrenzten verbleibenden Präsenz verbunden sein konnte.

Die beiden Angaben unterscheiden sich sowohl im Zeitpunkt als auch in ihrer Aussage: Die britische Regierungsankündigung von 2010 nannte den geplanten Abzug bis 2020, während der 2018 wiedergegebene Wikipedia-Bericht rund 200 verbleibende Soldaten aufführte. Eine Ankündigung, ein späterer Bericht über die Planung und ein tatsächlich vollzogener Abzug sind jedoch nicht dasselbe. Die verfügbaren Darstellungen sollten deshalb getrennt zitiert werden: Für das Zieljahr ist die Ankündigung der britischen Regierung maßgeblich, für die Zahl der vorgesehenen verbliebenen Soldaten der Bericht der deutschen Wikipedia aus dem Jahr 2018. Aus diesen unterschiedlichen Planungsangaben allein lässt sich kein abschließender Nachweis über den endgültigen Personalbestand ableiten.

Bundeswehr und Umsiedlungen seit 1956

Mit der Einbindung der Bundeswehr begann eine neue Phase der militärischen Nutzung des Truppenübungsplatzes Senne. Chronikberichte dokumentieren frühe Übungen und die Verbindung zur Bundeswehr; spätere Einträge halten Veränderungen im Umfeld des Platzes fest. Die Umsiedlungen und die Abgrenzung der Fläche gehören dabei zu unterschiedlichen Entwicklungen. Für ihre Einordnung ist wichtig, Berichte über Vorgänge von datierten politischen Vereinbarungen zu unterscheiden.

Erste Übungen 1956

Die Chronik des Truppenübungsplatzes nennt 1956 als Jahr der ersten Übungen eines Grenadierbataillons aus Höxter. Damit ist ein konkreter Einsatz der Bundeswehr auf dem Platz belegt; die Angabe bezeichnet die ersten Übungen, nicht die Gründung des Übungsgebiets.

Für 1957 verzeichnet die Chronik den ersten Verbindungsoffizier der Bundeswehr. Die beiden Daten stehen für unterschiedliche Schritte: 1956 trainierte eine Einheit vor Ort, im Folgejahr ist erstmals ein Verbindungsoffizier genannt. Diese Angaben sind Chronikberichte über die frühe Nutzung und Organisation, keine Beschlüsse zur späteren Größe oder Abgrenzung des Platzes.

Umsiedlungen 1959 bis 1974

Die Chronik führt die Umsiedlungen in zeitlicher Reihenfolge auf. Die genannten Jahre markieren die einzelnen Ortsangaben und bei Hövelsenne den Zeitraum bis zum Abschluss.

  • 1959 wurde Heimathof umgesiedelt; die Chronik nennt den Ort als ersten datierten Schritt in der hier aufgeführten Folge.
  • 1971 folgte Haustenbeck. Das Jahr bezeichnet die Umsiedlung dieses Ortes und steht chronologisch nach Heimathof.
  • 1972 wurde Stukenbrock-Senne umgesiedelt; die Chronik ordnet den Ort im Jahr nach Haustenbeck ein.
  • Die Umsiedlung von Hövelsenne dauerte bis 1974. Die Jahresangabe bezeichnet hier den Endpunkt des genannten Zeitraums.

Die Ortsnamen und Jahreszahlen geben die Chronikangaben wieder. Sie sind von den politischen Vereinbarungen zur Abgrenzung der Übungsfläche zu unterscheiden.

Die Barzel-Linie

Die Barzel-Linie bezeichnet die Begrenzung, auf die sich der Kompromiss vom 20. Juli 1960 bezog. Die Chronik führt dieses Datum als politische Einigung an; es ist damit von den Chronikberichten über einzelne Übungen zu unterscheiden. Seit 1962 wird die Fläche des Truppenübungsplatzes mit rund 116 km² angegeben.

Die Angaben lassen sich nach Ereignis und Quellenart trennen: Berichte halten Vorgänge und Jahreszahlen fest, während das Datum der Barzel-Linie eine Vereinbarung bezeichnet. Die folgende Übersicht stellt diese Angaben nebeneinander.

Barzel-Linie und Flächenangabe im zeitlichen Zusammenhang
Datum oder ZeitraumAngabeEinordnung und Quelle
20. Juli 1960Kompromiss zur Barzel-LiniePolitische Einigung zur Begrenzung der Übungsfläche; als Vereinbarungsdatum in der Chronik geführt.
Seit 1962Rund 116 km²Flächenangabe zum Truppenübungsplatz, wie sie die Chronik nennt.
BegriffSperrgebietMilitärisch genutzter Bereich, dessen Zutritt für die Allgemeinheit beschränkt ist.

Ein Sperrgebiet ist somit nicht einfach eine Fläche mit militärischer Nutzung, sondern ein Bereich mit beschränktem allgemeinem Zutritt. Die Begriffserklärung beschreibt die Funktion des Gebiets; sie ist keine zusätzliche Datumsangabe aus der Chronik.

Sicherheit und Zugangsbeschränkungen

Die Sicherheitslage des Truppenübungsplatzes Senne ist mit seiner militärischen Nutzung und den überlieferten Angaben zu Munitionsresten verbunden. Aussagen zur Gefährdung stammen aus bestimmten Quellen und sind als deren Bewertungen einzuordnen. Für den Zugang sind nicht allgemeine Annahmen, sondern amtliche Bekanntmachungen der zuständigen Behörden maßgeblich. Sie regeln, ob und in welchem Umfang das Gelände zugänglich ist.

Munitionsbelastung

Eine Chronikangabe besagt, dass seit dem 17. Jahrhundert keine systematische Räumung von Blindgängern auf dem Gelände erfolgt sei. Diese Aussage beschreibt eine über lange Zeit fehlende flächendeckende Räumung; sie ist als überlieferte Angabe zu verstehen und nicht als aktuelles Ergebnis einer vollständigen Bestandsaufnahme. Aus ihr lässt sich daher keine genaue Verteilung möglicher Munitionsreste auf einzelne Flächen ableiten.

Nach einer Angabe der deutschen Wikipedia stufte britische Dokumentation das Gelände als „extrem gefährlich“ ein. Diese Formulierung gibt die Bewertung in der dort genannten Dokumentation wieder. Sie belegt für sich genommen weder eine aktuelle Einzelprüfung sämtlicher Bereiche noch eine einheitliche Gefahrenstufe für jeden Punkt des Truppenübungsplatzes. Die Einschätzung verdeutlicht jedoch, weshalb der Zugang zu einem militärisch genutzten und möglicherweise munitionsbelasteten Gelände nicht als gewöhnlicher Zutritt behandelt wird.

Blindgänger und zurückgebliebene Munition sind bei der Einordnung der Sicherheitslage getrennt von der Frage zu betrachten, ob ein bestimmter Bereich aktuell freigegeben ist. Eine historische Aussage über unterbliebene systematische Räumung ersetzt keine behördliche Bewertung zum gegenwärtigen Zustand. Ebenso ist die zitierte britische Einstufung eine quellengebundene Bewertung und keine allgemeine Beschreibung jedes Teilbereichs. Für die tatsächliche Zugänglichkeit gelten die amtlichen Bekanntmachungen der zuständigen Behörden.

Regelung des Zugangs

Der Zugang zum Truppenübungsplatz Senne wird durch amtliche Bekanntmachungen der zuständigen Behörden geregelt. Diese Bekanntmachungen sind maßgeblich dafür, ob ein Zugang besteht und welche Bereiche davon betroffen sind. Die Regelung steht im Zusammenhang mit der militärischen Nutzung des Geländes und der behördlichen Bewertung seiner Sicherheitslage.

Der tatsächliche Zugangsstatus kann nicht allein aus allgemeinen Beschreibungen des Platzes oder aus älteren Quellen abgeleitet werden. Entscheidend sind die jeweils geltenden amtlichen Mitteilungen der zuständigen Stellen. Sie bilden den verbindlichen Bezugspunkt für den Zugang; Angaben aus anderen Quellen ersetzen diese behördlichen Bekanntmachungen nicht.

Häufige Fragen zum Truppenübungsplatz Senne

Hier finden Sie kurze Antworten zu Gründung, Fläche und Eigentumsverhältnissen des Truppenübungsplatzes Senne.

Wann wurde der Truppenübungsplatz Senne gegründet?

Die Chronik führt die Ausweisung des Truppenübungsplatzes Senne auf 1891/1892 zurück und nennt 1892 als Jahr der Eröffnung. Wird nach dem Gründungsjahr gefragt, ist daher 1892 maßgeblich: Die Ausweisung wird für den Zeitraum 1891/1892 angegeben, während die tatsächliche Eröffnung im Jahr 1892 erfolgte.

Wie groß ist der Truppenübungsplatz Senne?

Für die Fläche wird seit 1962 eine Größenordnung von rund 116 km² genannt; die Chronik gibt damit den seit diesem Jahr verwendeten Wert an. Ältere Quellen weichen bei der Flächenangabe ab, weshalb unterschiedliche Zahlen zur Größe des Truppenübungsplatzes Senne auftauchen können.

Wem gehört der Truppenübungsplatz Senne?

Das Gelände des Truppenübungsplatzes Senne gehört dem Bund und wird von der Bundeswehr genutzt. Eigentum und Nutzung sind dabei zu unterscheiden: Ab 1945 hatten die britischen Streitkräfte die Verwaltung inne, während das Gelände dem Bund gehört.